Gedenkveranstaltung mit Ben Salomo – Auseinandersetzung mit Antisemitismus und gesellschaftlicher Verantwortung
Anlässlich des Gedenktages zur Befreiung der Auschwitz-Überlebenden fand am 27. Januar 2026 eine Schulveranstaltung mit dem jüdischen Rapper Ben Salomo statt, an der die Schülerinnen und Schüler der Religions- und Philosophie-Kurse des 10. Jahrgangs teilnahmen.
Jonathan Kalmanovich – bekannt unter seinem Künstlernamen Ben Salomo – wurde in Israel geboren und lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Berlin. Bereits in seiner Schulzeit war er wiederholt Mobbing ausgesetzt, insbesondere dann, wenn er offen über seine jüdische Identität sprach.

Er schilderte in eindrücklicher Weise, dass sich antisemitische Haltungen und Ressentiments auch in Teilen der deutschen Rap-Szene widerspiegeln. So thematisierte er Beispiele antisemitischer Äußerungen von Künstlern wie Kollegah, Haftbefehl, Bushido, Veysel, Sinan G oder Massiv. Ben Salomo berichtete, dass er selbst gezielten antisemitischen Angriffen ausgesetzt war und sich infolgedessen entschloss, sich vollständig aus der Szene zurückzuziehen. Seit 2019 engagiert er sich stattdessen in der schulischen Bildungsarbeit, um über das Judentum aufzuklären und auf die zunehmende Verbreitung antisemitischer Haltungen aufmerksam zu machen.
Mit Hilfe von Bild- und Textmaterialien sowie Statistiken der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) machte Ben Salomo deutlich, dass antisemitische Tendenzen in Deutschland und weltweit wieder zunehmen. Die Terrorangriffe der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei denen etwa 1.200 Menschen getötet wurden, bezeichnete er als einen neuen, traurigen Höhepunkt jüdischen Leids seit der Shoa. Im Anschluss an diese Ereignisse hätten antisemitische Verschwörungserzählungen und israel-feindliche Haltungen auch in Deutschland erneut zugenommen.
Bei aller Unterschiedlichkeit der Sichtweisen auf die Geschehnisse im Nahen Osten betonte Ben Salomo, dass diese niemals Anlass für Hass oder Gewalt gegen Mitmenschen sein dürfen. Die Unterstützung oder Verharmlosung der Taten der Hamas gibt Anlass zu großer Sorge. Ein besonders erschütterndes Beispiel antisemitischer Gewalt stellte der Angriff im Dezember auf jüdische Menschen dar, die am Bondi Beach in Sydney das Chanukka-Fest feiern wollten.

In seinem Vortrag stellte Ben Salomo die zentrale Frage, wie man Antisemitismus aktiv entgegentreten könne und welches Verhalten jede und jeder Einzelne dazu beitragen könne. Er zeigte auf, dass Schülerinnen und Schüler häufig unbewusst mit antisemitischen Stereotypen und Vorurteilen konfrontiert sind – sei es im Alltag, in sozialen Medien oder in der Popkultur. Begriffe wie „Du Jude“ als Schimpfwort, Hakenkreuz-Schmierereien, Hitlergruß und NS-Codes seien zwar strafrechtlich verboten, würden jedoch gesellschaftlich noch immer zu oft hingenommen. Dieses Verhalten müsse entschieden abgelehnt werden.
Im weiteren Verlauf lenkte Ben Salomo die Aufmerksamkeit auf die Definition des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno, der Antisemitismus 1951 als „das Gerücht über die Juden“ bezeichnete. Eine aktuelle Untersuchung zeige, dass rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit an antisemitische Stereotype glauben – Tendenz steigend. Diese Vorurteile bilden die Grundlage für Hetze, Diskriminierung und gewaltsame Übergriffe. Auffällig ist, dass auf zunehmend mehr antisemitischen Demonstrationen NS-Symbole oder -Codes verwendet werden.
Wie eng Antisemitismus, Gangsta-Rap und dschihadistische Ideologie teilweise miteinander verknüpft sind, illustrierte Ben Salomo anhand konkreter Beispiele aus der Musikszene.
In der anschließenden Nachbesprechung betonten viele Schülerinnen und Schüler, wie bedeutsam und aufrüttelnd sie den Vortrag empfanden. Sie äußerten zugleich den Wunsch nach mehr Zeit für Fragen – etwa dazu, wie Ben Salomo persönlich mit sogenannten „Juden-Witzen“ umgehe – sowie nach einer vertiefenden Analyse einzelner Rap-Texte.

Im Rückblick stellten die Teilnehmenden die kritische Frage, ob unsere Gesellschaft tatsächlich aus der Vergangenheit gelernt habe. „Warum schauen so viele weg?“, lautete ein besonders prägnanter Beitrag.
Auch dieser Vortrag wurde in den nachfolgenden Unterrichtseinheiten eingehend reflektiert. Dabei stand die kritische Auseinandersetzung mit den dargestellten Inhalten sowie die Einordnung in größere gesellschaftliche Zusammenhänge im Mittelpunkt. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven zuzulassen und die Schülerinnen und Schüler zu einer eigenständigen, begründeten Urteilsbildung anzuregen.
Die Schulgemeinschaft bekräftigt in diesem Zusammenhang ihre klare Haltung gegen jegliche Formen von Extremismus – sei er politisch links oder rechts motiviert – und verurteilt entschieden alle Kriegsverbrechen und Gewaltakte, die den Grundwerten von Frieden und Humanität widersprechen. Im Zentrum unseres schulischen Handelns steht die Achtung der unantastbaren Menschenwürde. Jeder Mensch besitzt – unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder politischer Überzeugung – die gleiche Würde und das gleiche Recht auf respektvollen Umgang. Diese Haltung prägt das Zusammenleben an unserer Schule und bildet die Grundlage unserer Werteerziehung.
Hinweis: Auf der Website der Amadeu Antonio Stiftung finden sich weiterführende Informationen zur Herkunft des sogenannten Pali-Tuchs. Dort wird auch erläutert, wie dieses Symbol von unterschiedlichen extremistischen Gruppierungen – sowohl aus dem rechten als auch dem linken Spektrum – sowie in Teilen der Rap-Szene missbräuchlich für antisemitische Zwecke verwendet wird.















